Was-heißt-schon-schön Alexander Seelherr

Was heißt schon schön?

Was heißt schon schön?

Trend ist zukunftsweisend, veränderlich, trügerisch. Er, der Trend ist maskulin: eine verführerische Duftschnur auf der Jagd nach Identität. Er ist Orientierung und Leitfaden. Das Kollektiv folgt ihm blind und instinktiv. Wir glauben ihn zu steuern. Wissen wir, woher er kommt, oder wohin er geht? Wir bilden uns ein, den Trend zu kennen: Pure Illusion. Was heute noch so schön gilt, ist womöglich morgen schon verhasst.

Die Wand, sie ist feminin, mitsamt ihrer Oberfläche. Sie ist sehr oft in Weiß gehalten: die Farbe der Jungfrau und des Hochzeitskleides, aber auch Farbe des Totentuches: Man kann sagen, weiß ist Farbe der Reinheit und rituellen Transformation- Synonym des Lichtes.
Konsens ist die kleinste gemeinsame Vielfache. Farbe, Struktur oder Textur sind Aussagen, sie sind nicht neutral.  Sie erzeugen Emotion, markieren den größtmöglichen Unterschied. Regung, Wandlung, Wende: das Wandelbare ist deren Kind. Ordnung ist fundamentaler Bestandteil der Orientierung. Unsichere Zukunft erzeugt Angst: Gefällt die Gestaltung der Wand auch dem Anderen, dessen Meinung mir wichtig ist? ...gefällt mir die Gestaltung morgen auch noch? Das Kind bedingt mindestens eine konsequente Entscheidung. Angst vor Unsinn? Tief einatmen - ‚Step by Step’ - der Weg ist das Ziel! Es gibt Hoffnung und verlässliche Parameter zu jedem Trend: Wert, Erfahrung, Vereinbarung, Vorgabe, Grenze, Möglichkeit. Jede und jeder bringt seine persönliche Vorstellung und Voraussetzung zur Gestaltung seiner Umgebung mit: doch Identität stiften oder Neutralität wahren? Beides braucht Mut- Respekt- Achtung- Umsicht- Diplomatie. Neutralität erfordert kein Bekenntnis zum einen oder zum Anderen. Wer neutral bleibt, erscheint unbeteiligt, und braucht kein Lampenfieber zu fürchten. Eine weiße Weste, eine weiße Wand ist wie ein unbeschriebenes Blatt: Mut zur Lücke. Die entschlossene Entscheidung gehört zur Wende und erspart die notwendige Halse. Die Umsetzung der Gestaltung braucht Rahmenbedingungen.

Auf dieser Internetseite finden Sie häufige Info, Anregung oder Erklärung, ergänzend zu Abbildung bzw. Beispiel. Sie können sich gerne damit auseinander setzen - überspringen Sie diese, wenn Ihnen die Geduld dazu fehlt. Diese zusätzlichen Bemerkungen sind zur Vertiefung hilfreich, führen jedoch in der Wahl der passenden Gestaltungsvariante nicht zu besseren Entscheidungen, als es Ihr Bauchgefühl Ihnen raten kann. Lassen Sie sich nicht davon irritieren: bei den verwendeten Begriffen besteht hier und da einfach  Klärungsbedarf.

Die Vielfalt folgt einem fraktalen Muster. Texturen sind abhängig von Verarbeitung oder Materialauswahl entweder punktuell körnig oder linear geriffelt, in der Fläche netzartig oder im Gitter angeordnet. Die Struktur ist in der Fläche miteinander verwoben, die Textur ist in der Tiefe durch die jeweiligen Schichten hindurch sichtbar ineinander verknüpft. Textur – nach meiner lesart - generiert inhaltlich gesehen den Kontrast. Struktur dagegen beschreibt Material, Bestandteile und technische Anwendung in Verbund und Zusammenhang. Textur und Struktur bedingen einander und können überlappen.
 
Was ist schon schön? Der eine liebt den Ausdruck, der andere Zurückhaltung. Ein Sinn erschließt sich auch nicht immer gleich. Das Außergewöhnliche fällt selten sofort ins Auge. Verzückung, Verwunderung oder Verzauberung erreicht den Rezipienten meist erst auf den zweiten Blick. Eine Oberfläche gewinnt an Tiefe, sobald ein Herz berührt wird. Wer einer emotionalen Berührung per se aus dem Weg gehen möchte, sollte diese Wandgestaltung in seinen persönlichen Räumen nicht in Betracht ziehen; stattdessen bieten sich neutrale Untergründe als Alternative an: unverfänglich vielleicht glatte Wände, weiß - ohne Farben.

Eine reinweiße Wand ist schöner als eine vergilbte- subjektiv empfunden. Dabei kann man in der Gestaltung kaum Fehler machen, wenn man einige grundsätzliche Dinge beachtet: dazu gehört in erster Linie sich zur eigenen Vorliebe für eine bestimmte Struktur, Textur oder Farbe zu bekennen. Vorgegebene Muster geben hierzu Orientierung zur Wahl der passenden Oberfläche. Entscheidend ist, was Sie wollen. Darf es für Sie etwas mehr sein als eine weiße Wand? Diese Site wird sie vielleicht verblüffen, sie eventuell unterhalten, anregen, inspirieren – doch nicht langweilen, wie ich hoffe. Wie auch immer, ich wünsche Ihnen bei dieser Lektüre viel Vergnügen.

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