Der Künstler und der Handwerker Alexander Seelherr

Der Künstler und der Handwerker

Der Künstler und der Handwerker

Es ist nicht leicht, die Berufsbezeichnung des Künstlers einzugrenzen. In Abgrenzung zum Maler im Handwerk, der sich im Wesentlichen mit Anstrichen beschäftigen muß, fügte irgendwer einst den Begriff der Kunstmalerei dazu. Heutzutage schimpft jeder sich Künstler. Die Kunst aber ist schwer greifbar etwas Bedrohliches in Abweichung von der Norm. Die Kunst schmeichelt, provoziert, erschüttert. Kunst agiert mit Emotionalität. Sie spricht vielfältig die Sinne an. Sinnlichkeit und Besinnlichkeit werden durch sie geweckt. Kunst ist feminin. Die Welt ebenfalls. Und sie gebiert Kinder. Eine besondere Kunst ist es, unseren Kindern in unruhigen Zeiten eine positive Zukunft auszumalen. Freies Malen bedeutet Fantasie und Farbenspiel. Kinder sind geborene Künstler, bevor sie von den Tatsachen der Erwachsenenwelt gekränkt, gekrümmt und verbogen werden.

Erwachsensein heißt Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung mitunter für Entscheidungen oder unterlassene Hilfe zu übernehmen, die ihre Eltern auf Sie vererben. Schuld auf sich zu nehmen und zu ertragen, die durch Kriege und Hass entstand und entsteht, Bürden auf ihre Schulter zu laden, die eine Gesellschaft ihren Kindern hinterlässt, weil sie aus sogenannten Sachzwängen heraus handelt und die sie mit Unbedenklichkeitserklärungen untermauert. Ressourcen auszubeuten und Atommüll einzulagern und vielfältige Kulturen zu vernichten, als ob sich diese Welt auf eine Generation reduzieren lässt, die gnadenlos gegenwärtige Rohstoffe ausbeutet und über die Zukunft ihrer Nachkommen entscheiden kann. Gentechnologie und Retorte werden zweifellos an Bedeutung gewinnen, nur Maschinen oder Klone sollen den zukünftigen Lebensbedingungen standhalten. Ein Leben als Zombies und Katalogmenschen in einer Wegwerfgesellschaft, die jene Geister rief, deren Geißeln sie sind. Die Rede ist von mir, einem Homo Standardicus Digitalis. Aufwachen! Das Kind schreit. Carpe diem.

Eine Kunst ist es, dennoch Lebenskraft zu erhalten und das Lebenswerte zu erneuern. Die Kunst ist demnach alltäglich. Sie liegt in unserer Art und Weise, was wie getan wird verborgen und tritt hierin zutage. Jeder kann Künstler sein. Wenn zwei Dasselbe tun, ist es aber immer noch nicht das Gleiche. Die Aufgabe der Kunst ist es, Werte zu schaffen. Denn die Welt gehört nicht uns, sondern unseren Kindern. Sie sind die wahren Künstler aller Welt. Wir Erwachsene können sie vieles lehren und sind doch permanent dabei, ihre Welt zu leeren, um unsere unersättliche Gier auf Jetzt zu stillen. Es wird Zeit, dass wir wiederum unseren Kindern Aufmerksamkeit schenken und von ihnen erneut lernen zu Leben.

Das Handwerk ist im Laufe der letzten Dekaden mehr und mehr verkommen zum Handlanger einer Industrie, die auf die Befriedigung der Massen hinausläuft. Der handwerkliche Beruf beschränkt sich weitgehend auf die Montage vorgefertigter Produkte, deren Bedeutung sich mit dem Begriff ‚billig’ verbindet. Eine wachsende Anzahl aktuell gebauter Gebäude halten kaum länger als die Gewährleistung es verlangt, bevor gravierende Mängel zutage treten. Auch industrielle Produkte haben eine Kritische Masse, die dann bedrohlich wird, wenn  Verantwortung für Mängel und Fehlverhalten nicht mehr beim Produzenten wahrgenommen wird - ohnehin ein ethisch moralischer Anspruch aus dem letzten Jahrhundert -, sondern das St. Florians Prinzip um sich greift. Vermutlich wohl eine Folge der Objektivierung von humanem Leben im globalen Schmelztiegel.

Wem kannst du noch vertrauen? Ein kleiner Steinwurf und Fehlverhalten können heutzutage dramatische Steinlawinen auslösen, wie die Facebook-Parties immer wieder beeindruckend zeigen, wo aus dem nichts eine Flut von ‚Gästen’ ausgelöst wird. Ein anderes Beipiel ist das Trojanische Pferd. Stell Dir einmal vor, du bekommst eine Warnung über WhatsApp im Internet. Eine anonyme Nachricht, die Sie mit Du anspricht, Dich eindringlich davor warnt, die Message von einer gewissen Ute Christoff  nicht zu öffnen, weil Sie einen bösartigen Virus enthielte, Deine Adressenliste abfischte und Deine Festplatte und Daten lösche. Gleichzeitig wirst Du nun aufgefordert, diese Nachricht an alle Deine Freunde weiterzuleiten, um die Ausbreitung der vermeintlichen Viren zu verhindern und Schlimmeres zu verhüten. Sofort bekommst Du es mit der Angst zu tun. Denn Angst ist Macht und Du machst, was von Dir gefordert wird. Du wirst genötigt, weil es für Dich keine Möglichkeit gibt, diese Bedrohung zu verifizieren. Reflexartig kommt die Panik. Du bist arglos und vielleicht sogar naiv dankbar für die nette Warnung, eventuell beglückt, dass Dir das anonyme Netzwerk diesen Schutzbrief zukommen lässt, um nicht in die aufgezeigt drohende Falle zu tappen. Mit der Umgehung der Gefahr, fällst Du in die Grube. Eine uralte Hinterlist, für die das Internet perfekt funktioniert. Kein Wunder, wurde doch das Internet ursprünglich zunächst aus militärischen Gesichtspunkten ins Leben gerufen.

Reagierst du, wie verlangt und sendest diese Warnbotschaft an alle Deine Freunde und Adressen weiter? Ja? Gut gemacht, damit hast du das weiter verbreitet, was du vermeiden wolltest, den Virus:  die Angst. Die ‚gutgemeinte’ Warnung war selbst bereits der Virus, den du brav weitergereicht hast. Ich meine es ja nur gut, ich bin Eure Mutter, sagte der Wolf zu den sieben Geißlein. Weil das Vertrauen als Basis der Gemeinschaft immer schwieriger einzuschätzen ist, zerfällt die werteteilende Gemeinschaft zur interessenbezogenen Gesellschaft. Das bricht dem Mittelstand und Handwerk nachgerade das Genick. Vertrauen ist das Rückgrat der Bourgeoisie.

Jedes Werkzeug in den falschen Händen kann auch zur tödlichen Waffe werden. Auch das ist allgemein bekannt. Verantwortung zeigt sich spontan im Ereignis. Wir lernen und vertiefen sie kontinuierlich in der Erfahrung und Routine. Verantwortung ist nicht nur das Schwert der ritterlichen Tafelrunde, sondern auch das vertrauensvolle Werkzeug des Handwerks.

Die Börse und die Politik, die Industrie und die Wirtschaft, die Gesellschaft und Gemeinschaft, all dies funktioniert nur durch Vertrauen. Leider scheint es, als säßen die politischen Führer und Regierungen unseres Planeten schon im komfortablen Rettungsboot und ruderten in unbescholtener Ferne an den grundsätzlichen Problemen vorbei auf der Suche nach neuen Jagdgründen, falls diese Erde überraschend  kippen sollte. Plan B: Schlimm für die nachfolgende Generation, denn sie zahlen die Zeche.

Es ist den machthabenden Regierungen auch nicht zu verdenken, denn welche nationalen Maßnahmen wirken den globalen Klimaveränderungen eigentlich entgegen? Sind sie nicht ebenfalls ohnmächtig im Angesicht der unaufhaltsamen Prozesse und unvorhersehbaren Katastrophen. Rette sich, wer kann.

In the Name of Love. Der erste verheerende mir bekannte Virusangriff auf die globalen Festplatten (ca. im Jahr 2000) hieß ausgerechnet ‚Love’. Vertrauen missbraucht, Vertrauen verschenkt. Naiv: es gibt Wege zum Frieden - trotzdem. Es gibt Lösungen jedoch nur außerhalb der Verzweiflungstat, des Amok, des Terrors und des Entsetzens.  Diese Wege der Wut, Vergeltung und des Hasses befriedigen das gestörte Ego kurzfristig, erzeugen jedoch wechselseitig immer neue Tumore grausamer Gewalt.

Individuelle Wege, die sich allerdings nicht ideologisch an die beklagte und geteilte Gesellschaft richten oder sich aus der Gemeinschaft der Gleichgeschalteten rekrutieren, sondern an eine universelle Verbundenheit und Einheit direkt wenden und eine kollektive Wertschätzung pflegen, sind seit Jahrtausenden bekannt: Qi-Gong und Yoga sind solche Instrumente; Es sind dies beispielhafte Archetypen, mit denen ein harmonischer und friedlicher Einklang unter Individuen geschaffen werden kann. Die biblische Sintflut war analog vollzogen, mithilfe der Wasser passiert, die Entsprechung der Sintflut im Informationszeitalter vollzieht sich digital. Machine versus Human. Wir haben uns vom rechten Glauben abgewendet die Zuversicht verloren und Fanatismus gezüchtet. Wir müssen uns wieder bewusst werden, was uns von Maschinen und Robotern abhebt. Das Programm ist mehr als die Summe seiner Bits.

Die technischen Fortschritte, die wir im vergangenen Jahrhundert hervorbrachten, sind  beachtlich. Was an wissenschaftlichen Errungenschaften vor uns liegt, ist ebenfalls kaum vorwegzudenken. Können wir aber sozial und gesellschaftlich mit dieser Entwicklung schritt halten? Veränderung wird gefordert. Haben wir ein gemeinsames, konkretes, übergeordnetes Ziel? Wer bestimmt das? Die Zeit läuft uns davon. Das Klima wartet nicht auf unsere Entschlussfähigkeit. Wenn der Kreisel der Willenskraft und Entscheidungsfindung nicht mehr schnell genug gedreht werden kann, droht Frustration und Depression. Zuwenig Treibstoff oder zu viel Schmiermittel sind ebenfalls nicht gut für die Konjunktur. Die Zeit läuft auch dem Handwerker davon, und die Fixierten Löhne sind aufgrund der staatlichen Steuern und Lohnnebenkosten im europäischen Verschmelzungsprozess nicht mehr konkurrenzfähig.

Die Zeit drängt, aber von blinder Raserei ist dennoch abzuraten; nur Narren dürfen das, solange sie mit dem Himmel in Kontakt stehen. Ist nicht schon lange aus allen Megaphonen eine Entschleunigung gefordert?

Mit Vollgas auf den Bremsen. Freiwillige Selbstkontrolle, Sachzwang und Reglementierung durch Institutionen haben Hochkonjunktur. Die demokratische Farce ist in voller Blüte. Schulden, Abschreibungen, Subventionen.  Einige wenige Pflanzen in der Wüste werden bewässert, während die Bevölkerung durstet und gutes Ackerland vertrocknet. Verteilung ist selten gerecht, das stimmt. Neid und Missgunst sind eitle Gefährten, auch das trifft zu. Die Ausbeutung der Ressourcen und die Vergewaltigung der Völker gibt es seit eh und je. Es wird Zeit, diese Missstände zu beseitigen, das Völkerrecht zu stärken, Menschenrechte gerecht umzusetzen, dann wird wohl auch eine Übereinkunft globaler Interessen einfacher zu gestalten sein. Aber das geht nicht ohne angemessenen Verzicht auf Süchte, Gewohnheiten und Bequemlichkeit.

Es gibt die Volksstimme, aber sie hat nichts zu sagen, ein Mitspracherecht wird Ihr abgesprochen. Das Handelsabkommen Ceta wird von den meisten europäischen Bürgern abgelehnt, aus gutem Grund. Belgien ist im Moment der Stolperstein. Dennoch wird es durchgeboxt. Es wird lamentiert, das kann nicht sein was nicht sein darf, stigmatisiert, bedroht, bestochen, gemoppt. Bis eine kleine Provinz schließlich einknickt und Klein beigibt. Kommt das etwa bekannt vor: das Imperium Romanum und ein kleines gallisches Dorf. Ein bestimmter und ein unbestimmter Artikel.

Auch der Handwerksbetrieb und Selbstständige mutiert allmählich zum unbestimmten Artikel, Klon der Zeitsparkasse, Sklave seiner eigenen Bedürfnisse, Sucht und Gewohnheiten und ‚Human Capital’ der Gesellschaften und Bauunternehmen, geködert durch falsche Versprechen und getrieben von Existenzangst, an der Nadel industrieller Monopolisten. Wer durchs Netz fällt, ob krankheitsbedingt oder altersbedingt, bleibt auf der Strecke. Wer sich nicht agil und beständig weiterentwickelt, der fällt durch das Netz und ... Angst essen Seele auf. Nicht mehr gebraucht zu werden oder geachtet zu sein, sind die schlimmsten Formen von Armut und Elend. Ist dies nicht unvermeidlich ein Teufelskreis, der sich quer durch die Gesellschaften und Zeiten schlängelt? Wir halten in unserer Verfassung eine Würde hoch, die nur sehr wenigen Menschen überhaupt bewusst vergönnt oder zu Eigen ist. Der lokal agierende Handwerker darf sich mit Kleinstreparationen über Wasser halten, die Schäden einer lukrativ internationalen Baupolitik zu bereinigen. Schäden, die erst auftreten, wenn die ausführenden Fremdfirmen längst verschwunden sind bzw. aufgelöst wurden. Diese Krümelbeseitigung hat das Wesen des ansässigen Handwerks wesentlich verändert und die Ansprüche an das Handwerk allgemein verarmen lassen.

Der Handwerker der heutigen Zeit ist zum billigen Bauhelfer geworden. Kein Wunder daher, dass das Handwerk nicht mehr in dem Maße ausbilden kann, wie noch in den 70er Jahren. Eines der tragenden Gerüste von Wertarbeit zerfiel im Zuge allgemeiner Veränderungen.

Mein Weg wendet sich bewusst ab von Massenproduktion und führt mich zielbewusst zu authentischen Lösungen im handwerklichen Gewerbe und zur gelebten Originalität des handwerklichen Produkts. An dieser Stelle kehrt die Kunst in Handwerk und Arbeit wieder zurück, und kommt dem anspruchsvollen Kunden wieder zu Gute, natürlich und nachhaltig.

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