Gips and Kalk Alexander Seelherr

Gips oder Kalk

Gips oder Kalk

Das Rad wird auch von mir nicht neu erfunden, die Techniken des Verputzens und des Lasierens ist mindestens seit der Antike, höchst wahrscheinlich aber schon viel früher in der Kultur des Menschen verankert. Lehmputz ist wohl die ursprünglichste und älteste Putztechnik, Kalkbrand und Gips benötigten nachvollziehbar ein tieferes technisches Verständnis bezüglich ihrer Herstellung. Gips ist chemisch sulfatisierter Kalk. Ihre jeweiligen chemisch-physikalischen Eigenschaften unterscheiden sich fundamental voneinander und bestimmen ihre Eignung in spezifischen Einsatzorten und -bereichen.

Kalk und Gips sollten in kombinierter Anwendung gut durchgetrocknet und grundiert sein, bevor die jeweils andere Schicht darauf aufgetragen wird. Die Vorgehensweise ist dabei in der Regel: Feine Pulver auf gröbere Sande auflegen. Das heißt: der Untergrund als Basis ist im Allgemeinen grobkörnig und die darauffolgenden Schichten sind als Pulver feiner gemahlen.

Kalk und Gips etwa in Fresco-technik gemischt aufgetragen - also: die untere Schicht ansatzweise angebunden aber noch nicht trocken – daraus ergeben sich bei mangelnder Erfahrung praktisch Probleme, auf die ich hier nicht im Einzelnen eingehen will. Ob bei den einzelnen Schichten die Wahl auf Kalk oder Gips fällt, hängt zum einen mit der Anwendung zusammen -z.B. in Nasszellen vorzugsweise Kalk- zum andern mit der gewünschten Strukturvorgabe.

Gips fühlt sich kälter an als Kalk. Kalk bildet bei Trocknung schwammartige Kammern und Hohlräume: ideale Puffer für ein ausgeglichenes Raumklima. Gips verhält sich anders bei Zugabe von Wasser. Er wird auch unterschiedlich angesetzt: Zuerst Wasser in den Mischeimer, dann Gips einträufeln und quellen lassen. Bei Kalk hingegen wird zuerst das Pulver in das Gefäß eingefüllt, dann das Wasser unter Rühren dazugegeben.

Gips verändert nicht nur seinen Aggregatzustand. Mit der physikalischen Beschaffenheit ändert sich auch seine chemische Eigenschaft. Kalk hingegen ändert grob beschrieben sein räumliches Ordnungsgefüge, verdichtet die Anordnung der Moleküle geometrisch kompakt untereinander und mineralisiert aus. Beide Prinzipien ergänzen einander. In der Schichtung eignet sich der Kalk eher als strukturgebende ‚griffige Packung’ und Gips eher als farbunterstützendes Bindemittel für das Pigment. Der Kalk harmoniert nicht  mit jedem Pigment.

Schon der alkalische PH-Wert des Kalk wird den meisten Pigmenten zum Verhängnis und sie blassen aus. Geeignete ‚kalkechte’ Pigmente sind meist natürliche Erden und Oxide, die darüber hinaus auch nicht dem farbzersetzenden Einfluss von UV-Strahlung unterworfen sind. Ihr farbliches Spektrum besteht nachhaltig. Welches Pigment wann und wo zum Einsatz kommt ist erfahrungsbedingt sehr speziell zu entscheiden.

Leave a comment

Make sure you enter all the required information, indicated by an asterisk (*). HTML code is not allowed.